Prüde oder pervers?


Allgemein, Interviews & Beratung / Dienstag, 17. November, 2020

Nie war unser Liebesleben freier und entfesselter als als heute. Doch ist das eigentlich gut so? Brauchen wir nicht gerade deshalb den moralischen Zeigefinger als Wegweiser durch das freizügige Dickicht der sexuellen Möglichkeiten?

Diese Frage zu beantworten, ist schwierig bis unmöglich, denn der Knackpunkt ist doch:  

Moral ist Definitionssache und die wiederum ist abhängig von vielen äußeren Umständen und Faktoren

Sexuelle Moralvorstellungen haben sich im Laufe der ­Geschichte extrem verändert: So galt „Sex zum puren ­Vergnügen“ im 17. Jahrhundert noch als Sünde. Ehebruch, Prostitution, Unzucht (was immer damit auch gemeint war) wurden hart, teilweise mit dem Tode, bestraft. Das verdankten wir nicht zuletzt der Kirche und ihrem strengen Moral­kodex, der Gläubige teilweise heute noch ­begleitet. In den spießigen 1950er Jahren ­wurden Abtreibungen streng bestraft, ein Grund dafür, dass viele junge Paare sogenannte ­„Muss-Ehen“ eingingen. Denn – auch das macht die Geschichte deutlich – die Menschen trieben trotzdem Sex zum Vergnügen, Sex, ohne ­ver­heiratet zu sein, Unzucht jeglicher Coleur,  und ließen sich von den drakonischen Strafen nicht abschrecken.

Sind wir also von Haus aus eine ­unmoralische Spezie? 

Natürlich nicht! Denn Moral liegt halt auch im Auge des Betrachters: Mit der Einführung der Pille und dem ­Paragraphen 218, wurde eine sexuelle Revolution – vor allem für Frauen – ausgelöst und das allgemeine Moraldenken auf eine neue Ebene gehievt. Eine Beate Uhse, ein Oswald Kolle und andere Vertreter halfen mit, die Moralvorstellungen unserer Gesellschaft zu ändern. Das Ergebnis: Wir dürfen Sex haben, um uns uns fortzupflanzen UND Spaß daran zu haben bzw. auch, wenn´s sein muss, um NUR Spaß daran zu haben, ohne von der Gesellschaft geächtet zu werden oder gar bestraft zu werden. So weit, so gut. Wozu brauchen wir dann noch Moral, Ethik, Tabus und all die ­abstrakten Lehren und Theorien?

Um das zu ­beantworten, lassen wir uns von Paar- und Sexualtherapeutin Dr. Beatrice Wagner inspirieren, die uns noch in dieser Woche im Interview dazu aufklärt.

 

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